Den Körper im Blick

Schwangere Frau von Jacques-Fabien Gautier d'Agoty 1773

In der Ausstellung geht es um Methoden der Sichtbarmachung am menschlichen Körper. Diese haben sich im Laufe der Zeit verändert und verfeinert: In der Renaissance entstanden erste Körperatlanten, in welchem der menschliche Körper nicht nur von aussen dargestellt, sondern seine Funktionsweise auch von innen erklärt wurde.

Die wissenschaftlichen Fortschritte im 19. Jahrhundert erlaubten, den Zellaufbau zu verstehen und die Entwicklung der Bakteriologie sowie das Röntgen als bildgebendes Verfahren. Die im 20. und 21. entwickelten Verfahren erlaubten, in Modellen neue Elemente der Sichtbarmachung zu entwickeln. Bahnbrechend waren beispielsweise die Beschreibung der DNA als Doppelhelix durch Watson und Crick 1953 und die vollständige Entschlüsselung des menschlichen Genoms 2004.

 

Gleichzeitig wurden mit der Wissenschaft auch Modelle und Theoreme entwickelt, wie das Unsichtbare zu Lehrzwecken sichtbar gemacht werden konnte. Das fing bereits mit den vereinfachten Organdarstellungen in den medizinischen Atlanten des 16. Jahrhunderts an. Fritz Kahns Darstellungen in seiner mehrbändigen Reihe „Das Leben des Menschen“ (ab 1922, die bekannteste davon: „Der Mensch als Industriepalast“) zeigte die Funktionen des menschlichen Körpers mit den Metaphern eines industriellen Betriebs. Bis heute werden in der Lehre, beispielsweise für angehende Ärzte, vereinfachende Darstellungen verwendet. Auch die Farbgebung der einzelnen Körperteile in diesen Darstellungen ist alles andere als zufällig.